„Die Berufsschülerinnen und -schüler nicht vergessen“

Im Interview sprechen Schulleiter Jochen Münz und Sportlehrkraft Volker Rummel von der Gewerblichen Schule Ehingen über ihr breit aufgestelltes Sportangebot. Sie erläutern, wieso es ihnen wichtig ist, vor allem die Berufsschülerinnen und -schüler im Blick zu behalten, wenn es um regelmäßige Aktivität geht.

INTERVIEW Sabine Biskup, Redakteurin Universum Verlag | FOTOS Nicola Lorenz, Atelier Lorenz | DATUM 06.11.2025

Wieso ist Ihnen ein breites Sportangebot an Ihrer Schule so wichtig?

Münz: Das liegt uns von Schulleitung und Sportfachschaft her am Herzen, weil wir nicht alle unserer Schülerinnen und Schüler mit dem klassischen Sportunterricht erreichen. An unserem Technischen Gymnasium ist das kein Problem, weil Sport dort fest im Lehrplan verankert ist. Doch anders ist es für unsere Berufsschülerinnen und -Schüler: In der Berufsausbildung ist Sport nur noch ein Wahlangebot, weil viele Berufe durch die technische Weiterentwicklung immer mehr Inhalte bekommen. Da ist für Sport dann kaum noch Platz. Weil diese jungen Menschen aber oft körperlich sehr beansprucht werden, ist es uns wichtig, sie für Sport und Ausgleich zu begeistern – und das lebenslang.

Rummel: Das ist auch mein persönlicher Antrieb: die Berufsschülerinnen und -schüler nicht zu vergessen. Das sind bei uns immerhin rund 1.500 Personen. Wir haben hier die perfekte Gelegenheit, sie zum Sporttreiben zu motivieren, denn anders als bei einem Verein, müssen sie ja einen Fuß in die Schule setzen. Uns bietet sich die unglaubliche Chance, die Schülerinnen und Schüler für den Sport als Ausgleich, Stressventil, Gesundheitsförderung oder einfach nur zum Spaß zu begeistern.

Wie lief der Prozess zur Umsetzung Ihrer Angebote? Haben Sie vorab ein Fitnesskonzept erstellt? Oder hat sich Ihr Angebot mit der Zeit entwickelt?

Münz: Das ist eher Schritt für Schritt mit der Zeit gewachsen. Die Impulse für unsere Angebote kommen dabei meistens aus der Sportfachschaft. Dann sprechen wir darüber, und manchmal muss ich ein bisschen bremsen. Aber bis jetzt konnten wir fast alles möglich machen. Insbesondere muss ich unserer Lehrkraft Volker Rummel danken, der da sehr engagiert ist und sich einbringt. Die vierköpfige Sportfachschaft hat zum Beispiel unsere drei Wald-Laufstrecken selbst erstellt und beschildert, mit unterschiedlichen Niveaus und Höhenmetern, damit auch für jeden etwas dabei ist.

Rummel: Wichtige Punkte im Prozess sind natürlich die Organisation der Finanzierung und die Projektabwicklung – dafür gibt es ja keine eigene Stelle. Man muss also am Ball bleiben: Erst bei der Schulleitung vorsprechen und wenn es grünes Licht gibt, sich zum Beispiel für Finanzierungen bewerben, Angebote einholen, den Bau einer Sportanlage organisieren und die jeweiligen Genehmigungen einholen. Wenn ich also etwas umsetzen will, muss ich mich auch aktiv um den Prozess kümmern. Schneller machbar sind dagegen Maßnahmen wie die Anschaffung neuer Geräte. Ein weiterer wichtiger Punkt ist außerdem ein Konzept für die Nutzung und die Zuständigkeiten. Erfahrungsgemäß verwaisen viele Krafträume an Schulen, weil die Instandhaltung dieser Anlagen nicht geregelt ist. Der Personaleinsatz dafür und die Kosten müssen geklärt werden.

Wie ist die Resonanz auf Ihr Sportangebot?

Münz: Es hat uns natürlich besonders gefreut, dass wir beim „Tag der Schülersicherheit“ der Unfallkasse Baden-Württemberg mit dem ersten Platz prämiert wurden, dass unser Engagement also auch von außen gewürdigt wurde. Denn Sicherheit ist ja nur die eine Sache, gute Prävention durch Bewegungsförderung ist genauso wichtig. Unsere Schülerinnen und Schüler nehmen unsere Angebote wie die Calisthenics-Anlage auch sehr gut an. Es ist schön, wenn man merkt, dass man etwas Gutes tut für diese jungen Menschen. Beliebt sind auch unsere Exkursionen: Schon zweimal war unsere Sportfachschaft mit einigen sportbegeisterten Jugendlichen zum Klettern in Südtirol.

Rummel: Außerdem waren wir schon Skifahren, inklusive professionellen DAV-Trainings (Deutscher Alpen-Verein) dazu, wie man sich zum Beispiel im Fall einer Lawine verhält. Hier lernen die Schülerinnen und Schüler also lebenswichtige Verhaltensweisen. Unsere Exkursionen sind aber Angebote, die wahlfrei sind. Für die Schülerinnen und Schüler sind sie schöne Gelegenheiten, mal rauszukommen. Manche von ihnen waren noch nie im Ausland und können so zum ersten Mal ihre Komfortzone verlassen. Es ist auch eine positive Erfahrung für sie, sich so etwas zuzutrauen – eine Schülerin war nach dem Klettersteig gleich zwei Köpfe größer. Das sind hochmotivierende Erlebnisse, die eigenen Grenzen zu überwinden. Natürlich erreichen wir nicht alle Schülerinnen und Schüler mit unseren Angeboten, aber mit jeder Person, die zum Beispiel am Krafttraining oder Laufen hängenbleibt, haben wir etwas gewonnen.

Wie gelingt es Ihnen, die Berufsschülerinnen und -schüler zu motivieren?

Rummel: Man muss tatsächlich immer wieder auf die außerunterrichtlichen Angebote und freien Sportstätten hinweisen und darauf, wie unkompliziert und nah zugänglich sie sind. Zum Beispiel sind unsere Laufstrecken ja gut ausgeschildert, und das Freibad ist auch ganz in der Nähe. Aber manchmal muss man die Jugendlichen animieren – fast wie eine Mama! Aber hinterher, wenn sie dann so eine Runde gelaufen sind, können sie sich gar nicht gegen das gute Gefühl wehren. Darauf setzen wir: dass so neue Routinen entstehen können. Außerdem motivieren sich die Schüler auch gegenseitig, etwa wenn sie zusammen an der Calisthenics-Anlage trainieren. Während der Corona-Pandemie haben wir außerdem eine Liegestütz-Challenge veranstaltet, bei der jeder zuhause mitmachen konnte. So ein Wettbewerbscharakter kann auch sehr motivierend sein.

Gibt es schon Ideen für neue Projekte?

Rummel: Mit unserer Sporthalle und den freien Sportstätten sind wir schon recht gut aufgestellt – jetzt gilt es, diese tollen Anlagen immer wieder mit Leben zu füllen! Außerdem denke ich noch an weitere Exkursionsangebote, zum Beispiel an eine Mountainbike-Tour – vielleicht sogar eine Alpenüberquerung.

Jochen Münz ist seit 2016
Schulleiter der Gewerblichen Schule Ehingen. Zuvor war er
Abteilungsleiter für die Berufsausbildung Parkettleger. Er möchte die Schülerinnen und Schüler körperlich so fit machen, dass sie möglichst lange gesund durch ihr Berufsleben gehen.

 

Volker Rummel ist seit 2006 Sportlehrer an der GBS Ehingen und gehört zum vierköpfigen Team der Sportfachschaft. Er möchte für alle Schülerinnen und Schüler vielfältige Bewegungsanreize bieten und eine positive Einstellung zum Sport machen fördern.